Leserbrief zur «Individualbesteuerung»
3. März 2026 – Eine Steuer mit gravierenden Nachteilen
Für die Schwyzer Regierung und den Kantonsrat ist die Sache klar: Die Einführung der Individualbesteuerung, über die Schweizerinnen und Schweizer am 8. März entscheiden, ist in der vorliegenden Form unbedingt abzulehnen. Mit grosser Mehrheit hat das kantonale Parlament das Kantonsreferendum beschlossen und damit dazu beigetragen, dass über das Gesetz, das im National- und Ständerat nur mit knap-pen Mehrheiten angenommen wurde, überhaupt abgestimmt werden kann.
Dabei war man sich in fast allen politischen Lagern in der grundsätzlichen Zielrichtung durchaus einig: Die Heiratsstrafe muss endlich abgeschafft werden. Wie das im Alltag erreicht werden soll, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Individualbesteuerung ist nur ein Weg. Ein zweites Pro-Argument streicht die erhöhte Erwerbstätigkeit beider Ehepartner heraus. Damit werde die Altersvorsorge und die Absicherung im Fall einer Scheidung verbessert; letztlich trage das zur Gleichstellung von Frau und Mann bei. Ob die Individualbesteuerung die finanzielle Eigenverantwortung tatsächlich stärkt, ist allerdings höchst umstritten.
Die guten Absichten in Ehren, die konkrete Umsetzung ist dem nationalen Parlament gründlich misslungen. Zwar profitieren einzelne Ehepaare mit der vorgeschlagenen Lösung, dies gilt insbesondere für Doppelverdiener mit hohem Einkommen – sie sind die grossen Gewinner. Vor allem Familien mit tieferem Einkommen, einem grossen Lohnunterschied oder nur einem Einkommen zählen zu den Verlierern. Statt mehr Steuergerechtigkeit werden neue Ungerechtigkeiten geschaffen! Einverdiener-Familien und Familien mit grossen Lohnunterschieden werden bestraft.
Allen Beteuerungen zum Trotz wird mit der Individualbesteuerung ein völlig unnötiges Bürokratiemonster geschaffen. Ehepaare müssen künftig zwei Steuererklärungen ausfüllen. Gesamtschweizerisch sind rund 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen durch die Verwaltung zu verarbeiten. Allein im Kanton Schwyz geht man von zusätzlich 35 Stellen in der Steuerverwaltung aus.
Fazit: Die geplante Individualbesteuerung verdient ein klares Nein. Sie ist kompliziert, schafft neue Ungerechtigkeiten, verursacht zusätzliche Kosten und vor allem ist sie ein sehr teures Bürokratiemonster. Zumal längst ein Vorschlag auf dem Tisch liegt, mit dem man die Heiratsstrafe ohne diese gravierenden Nachteile abschaffen könnte.
Franz-Xaver Risi, Kantonsrat Die Mitte, Lachen
