Gegendarstellung zum Interview mit GP Emil Woodtli vom 15.11.2024
19. November 2024 – Abstimmung zu Sport und Kultur vom 24.11.2024
Die grosszügig gewährte Plattform und der Inhalt des Interviews mit GP Emil Woodtli im March-Anzeiger vom 15. November veranlassen Die Mitte Lachen zu einer sachlichen und präzisierenden Gegendarstellung.
Grobkosten von CHF 57 Mio. und nicht über CHF 100 Mio. als Grundlage
Es ist korrekt, dass sowohl der Kredit für den Studienauftrag sowie der Projektierungskredit für die Schulraumerweiterung des Bezirks sowie die MZH mit Tiefgarage demokratisch und per Volksentscheide gutgeheissen wurden. Nur verschweigt hier der Gemeindepräsident, dass dem Voranschlag 2018 zum Studienauftrag für eine Turnhalle mit Mehrzwecknutzung Grobkosten von CHF 14 Mio. zu Grunde gelegt waren. Und das Gesamtpaket von MZH, Tiefgarage (mit 200 Parkplätzen!) und Schulraumerweiterung für den Bezirk von insgesamt CHF 57 Mio. Bei der aktuellen Vorlage wird ein Projekt für die Dreifachturnhalle für Sport und Kultur (ohne Tiefgarage) von schlussendlich über CHF 60 Mio. zur Abstimmung vorgelegt, also beinahe das Vierfache des damaligen Voranschlags von CHF 14 Mio. Zusammen mit dem bereits gesprochenen Baukredit für die Bezirksschulerweiterung von rund CHF 35 Mio. und der Tiefgarage (mit nur noch 90 Parkplätzen!) bewegen wir uns nun bei Baukosten von über CHF 100 Mio. Ursprünglich veranschlagt waren dafür die oben genannten CHF 57 Mio. Und der Bau hat noch nicht einmal begonnen, welcher bei den vorhandenen Risiken und Rahmenbedingungen aus Erfahrung noch wesentlich teurer zu stehen kommen wird. Von den hohen Betriebskosten gar nicht zu reden. Hätten die Bürgerinnen und Bürger vor sechs Jahren in Kenntnis dieser massiv höheren Bau- und Betriebskostenprognosen die Mittel auch freigegeben? Diese Frage darf gestellt werden.
Volksentscheid akzeptieren und umsetzen
Das Abstimmungsergebnis vom 22. Oktober 2023 war entgegen der Darstellung des Gemeindepräsidenten eindeutig. Eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger von Lachen wollte eine Dreifachturnhalle, Räumlichkeiten für die Kultur, jedoch zu tieferen Kosten und vor allem ohne Tiefgarage. Das Verdikt war klar. Warum nun wieder praktisch dieselbe Vorlage zur Abstimmung gebracht und sogar noch vom Gemeinderat favorisiert wird, ist schlichtweg unverständlich und gefährlich. Es wurde seitens Der Mitte Lachen bereits vor der Abstimmung im Jahr 2023 gefordert, das Gesamtpaket aufzuschnüren, einerseits in den unbestrittenen Abstimmungsinhalt der Dreifachturnhalle mit Mehrzwecknutzung, anderer-seits in den bestrittenen Teil der Tiefgarage. Dies hätte Transparenz geschaffen und eine schnellere Umsetzung begünstigt.
Behördenverbindlicher Vorentscheid zwingend
Ebenso konsternierend ist die Bestätigung von Emil Woodtli, dass bis heute zur Problematik des Untergeschosses im Grundwasser kein behördenverbindlicher Vorentscheid vorliegt. Der Gemeinderat hätte längst und aufgrund auch eines aktuellen Bundesgerichtsentscheids zu Einbauten ins Grundwasser aus dem Jahr 2021 diesen Schritt mit Dringlichkeit veranlassen müssen. Zumal sämtliche Unterlagen (Pfahlplan, Baugrubenkonzept, hydrogeologisches Gutachten) hierzu vorliegen. Mit der daraus resultierenden Gewissheit der Bewilligungsfähigkeit des Untergeschosses hätte er sämtliche Vorbehalte beseitigen und Kritiker besänftigen können. Das Instrument des Vorentscheids ist absolut üblich, ja sogar zwingend bei Themen, welche man frühzeitig und vor Eingabe eines Baugesuches offiziell für verbindlich erklärt haben möchte. Vor allem auch, weil ja die Realisierung der vorgeschlagenen Tiefgarage stark von einem solchen Vorentscheid abhängt. Auch diese Unterlassung ist völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar.
Risiko Baukosten
Der Gemeindepräsident gibt offen zu, dass Bauen am See nicht preisgünstig ist. Warum baut man dann darüber hinaus noch in den Untergrund, wo zusätzlich viele, grosskalibrige Werkleitungen vorhanden sind, die aufwändig umgelegt werden müssen? Auch wird gemäss dem geologischen Gutachten mit dem Einbau des Untergeschosses in den Grundwasserkörper sage und schreibe 95% des Grundwasserstroms behindert. Dies bedeutet, dass aufwändige Massnahmen mit grossem Materialersatz vorgenommen werden müssen, um die Durchlässigkeit zu gewährleisten. Mehraushub, eine Vergrösserung der Baugrube und zusätzliches Zuführen von Kiesmaterial sind die Folge. Diese zum sonstigen Aushub zusätzliche, ungeheure Materialschlacht ist nicht nur enorm aufwändig und kostenintensiv. Damit bewegen sich viele Hunderte Lastwagen durch unser Dorf, welches schon ohnehin überstrapaziert ist mit grossen Baustellen und gefährlichem Baustellenverkehr. Eine ebenerdige Dreifachturnhalle hätte die ursprünglich definierte Zielgrösse bei den Erstellungskosten von CHF 14 Mio. – selbst in Seenähe – durchaus erreichen können. Zudem ist der Betrieb derselben einiges einfacher und die Betriebskosten massiv günstiger.
Verkehrsführung optimieren
Gemeindepräsident Emil Woodtli verschweigt in seiner Darstellung jedoch, wie die vom Gemeinderat favorisierte Vorlage für Sport und Kultur am See erschlossen wird. Tatsache ist, dass die Zufahrt nach wie vor über den inzwischen aufgewerteten und ohnehin schon gefährlichen Kreuzplatz geführt wird. Oder aber – und dieser Plan scheint nach wie vor zu bestehen – über das Riedquartier mittels einer neuen Zufahrtsstrasse. Damit wird ein intaktes Wohnquartier zerschnitten, wertvolles Bauland geopfert und der sonst schon gefährliche Schulweg zum Seefeld gekreuzt. Hingegen einer Parkierungsanlage am Winkelweg – sei sie vorerst temporär für 170 offene Parkplätze oder dann längerfristig für ca. 300 Parkplätze im Zusammenhang mit dienlicher Mantelnutzung (Wohnen im Alter, Mittagstisch, Verwaltung, Kindergarten, etc.) verschliesst sich der Gemeindepräsident partout. Und lässt damit dieses Areal weiterhin brach liegen, obwohl die zentrale Lage und sein Potenzial von enormer Bedeutung sind.
Zurück auf Feld 1 besser als ein Murks
Auf die Frage hin, was passiert, wenn die Vorlagen für Sport und Kultur am See wiederum abgelehnt werden, zeichnet der Gemeindepräsident von Lachen düstere Szenarien. Diese hat er definitiv selbst zu verantworten. Es eröffnet sich gleichzeitig damit die Chance, mit einem neuen Verfahren alle bisherigen Fehler und Versäumnisse zu vermeiden, das Bau-kostenziel klar zu definieren, respektive einzuhalten und sämtliche Umweltfaktoren zu berücksichtigen. Und frühzeitig und umfänglich die Mitwirkung und Mitgestaltung von Sport- und auch Kultur-Vereinen zuzulassen und ein Mobilitätskonzept für die Zukunft zu erarbeiten, welches die bisherigen Bemühungen und Anstrengungen der Kernentlastung und -erneuerung weiterführt und mit einbezieht.
An den fachlichen Qualitäten des Gemeindepräsidenten Emil Woodtli zweifelt kaum jemand. Es ist jedoch nicht seine Aufgabe, das Projekt aus Sicht des Bauingenieurs zu beurteilen und aufgrund seiner Berufserfahrung Einschätzungen abzugeben, sondern zusammen mit dem Gemeinderat und seinen Gremien den Lachnerinnen und Lachnern ein mehrheitsfähiges, umweltverträgliches und finanziell verantwortbares Projekt vorzulegen. Dies ist er der jetzigen und auch den zukünftigen Generationen schuldig.
